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Sanieren unter Insolvenzschutz

Sanieren unter Insolvenzschutz – Eine echte Zukunftsoption für Bauunternehmen!

„Wenn die Öffentlichkeit erfährt, dass mein Bauunternehmen in die Krise geraten ist, dann kündigen alle Auftraggeber sofort die Bauaufträge. Die Lieferanten holen die bereits gelieferten Waren ab und verweigern jegliche weitere Lieferung an uns.“ So die landläufige Meinung. Es herrscht bei vielen Bauunternehmen daher das Gefühl, dass es nur zwei Wege gäbe: Entweder die Gesundung des Unternehmens außerhalb der Öffentlichkeit oder den Weg über die Insolvenz. Meist ist der Restrukturierungsaufwand kaum zu finanzieren, somit bleibt nur Letzteres mit der möglichen Folge der Einstellung des Geschäftsbetriebs.

Exakt das Gegenteil wollte der Gesetzgeber mit dem ESUG erreichen. Unternehmen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, sollen saniert, restrukturiert und gestärkt für den Markt wieder hergestellt werden. Das Stigma der „Insolvenz“ soll beseitigt und die Unternehmer ermuntert werden, frühzeitig über die Alternativen nachzudenken. Die Frage ist, ob dieses Ziel trotz der Besonderheiten wie der VOB auch für Bauunternehmen erreichbar ist?

Die Antwort lautet eindeutig: Ja!

Viele, durch ESUG sanierte Bauunternehmen haben bewiesen, dass die Sanierung unter Insolvenzschutz gerade für Bauunternehmen, die im schwierigen Umfeld des Projektgeschäfts tätig sind, eine echte Alternative für die Sicherung der Zukunft ist.

Das ESUG-Verfahren bei Bauunternehmen

Durch die Einführung des Insolvenzverfahrens mit Eigenverwaltung (§270 a InsO) und des Schutzschirmverfahrens (§270 b InsO) ist dem Gesetzgeber ein grundlegender Systemwechsel beim Insolvenzrecht gelungen. Beide Verfahren zielen auf die Sanierung und Stärkung des Bauunternehmens ab und erhalten somit das Bauunternehmen dem Unternehmer.

Kundenaufträge, Mitarbeiter, Nachunternehmer und Zulieferer

Damit die Sanierungsmaßnahmen ihre Wirkung auch tatsächlich entfalten können, muss der operative Geschäftsbetrieb in Form der Bauvorhaben mit möglichst wenigen Einschränkungen weitergeführt werden. Die größte Sorge aller Bauunternehmer, die Buchalik Brömmekamp begleitet hat, war, dass die Kunden sämtliche Bauaufträge fristlos kündigen. Die rechtliche Grundlage hierzu findet sich in § 8 (2) 1. VOB/B. In den von uns begleiteten ESUG Verfahren in der Bauwirtschaft haben wir gegenteilige Erfahrungen gemacht.

Unmittelbar nach Stellung eines Antrags besuchen wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung die wichtigsten Kunden und erläutern den dortigen Verantwortlichen das Verfahren. Wir schaffen Vertrauen beim Auftraggeber, dass das Bauunternehmen die vertraglich geschuldete Leistung inkl. der späteren Gewährleistung auch erfüllen wird. Dieses Vertrauen ist die Grundlage für die weiteren Überlegungen auf Seiten des Auftraggebers. Eine Kündigung des Auftrags durch den Auftraggeber hat zur Folge, dass er den aktuellen Leistungsstand auf der Baustelle genau ermitteln muss, dass er für die Restleitung in der Regel wieder eine Ausschreibung nach VOB/A durchführen muss (zeitliche Verzögerung und zusätzliche Leistungen von Architekten und Fachingenieuren) und dass er Gefahr läuft, dass der nachfolgende Unternehmen für einzelne Teilleistungen höhere Preise verlangt und in der Regel die Gewährleistung ablehnen wird.

Das ESUG-Verfahren ist auf eine Fortführung des Bauunternehmens ausgerichtet.

Das hat für alle Beteiligten folgende Vorteile:

  • Die Bauunternehmen, die wir durch eine Sanierung unter Insolvenzschutz führten, haben über 95% aller Bauaufträge „normal“ weiterführen können.
  • Öffentliche Auftraggeber erteilen den Bauunternehmen während des Verfahrens weiterhin neue Aufträge.
  • Mitarbeiter halten weiterhin zum Bauunternehmen, da sie die große Chance der Sanierung für das Bauunternehmen und für den eigenen Arbeitsplatz erkennen. Gerade bei Bauunternehmen mit Tradition und langjährigen Beschäftigungsdauern zahlt sich die gegenseitige Treue auch in der Krise aus.
  • Der Nachunternehmer bzw. der Lieferant erhält weiterhin seinen Kunden. Auch für diese Gruppe ist das beste Motiv für eine weitere Zusammenarbeit, dass das Bauunternehmen nach der Sanierung wieder ein verlässlicher und rentabler Kunde ist.
  • Im Falle des ESUG-Verfahrens für Bauunternehmen erhalten die Nachunternehmer und Lieferanten eine Quote für ihre Forderungen (vor Antragstellung), die im Durchschnitt über den Quoten im Regelinsolvenzverfahren liegen. Zudem wird die Quote sehr zeitnah ausbezahlt. (Weitere Infos im Thema „Eigenverwaltung und Insolvenzplan„)

Liquiditätszufuhr von außen

Das ESUG-Verfahren selbst hält für das Bauunternehmen und für den Bauunternehmer anspruchsvolle Aufgaben bereit und fordert die Verantwortlichen mit ihrem ganzen Können. Das Verfahren kostet Zeit und Geld. Aber auch von Dritter Seite erhält das zu sanierende Bauunternehmen Hilfen. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt z. B. für max. drei Monate die Lohn- und Gehaltszahlungen. Gerade für die Bauwirtschaft, die häufig einen Anteil der Personalkosten von 30-45% an den Produktionskosten hat, ist dies ein ernstzunehmender Faktor. Sollte im Rahmen einer solchen Sanierung doch eine Reduzierung von Mitarbeitern und Dauerschuldverhältnissen unumgänglich sein, so ergeben sich durch das ESUG erleichterte Rahmenbedingungen für das Bauunternehmen in der Sanierung.

Neben den externen Faktoren ist die Sanierung des Bauunternehmens der ideale Zeitpunkt, um die Strukturen und alle Prozesse bei der Erstellung der Bauvorhaben grundlegend zu überprüfen und sofern sich Änderungsbedarf zeigt, diese Restrukturierung auch konkret umzusetzen. Die umfasst z. B. den notwendigen und meistens überfälligen Generationenwechsel, die Schließung von nicht profitablen Geschäftsfeldern oder von Standorten, die seit vielen Jahren nur Verluste erwirtschaften.

Verfahren trotz VOB geeignet

Auch für Bauunternehmen sind die Regelungen des ESUG trotz der Einschränkungen der VOB nutzbar und die Sanierung unter dem Schutz des ESUG ist eine echte Option für die Zukunftssicherung des Bauunternehmens. Die erfolgreich über ESUG sanierten und restrukturierten Bauunternehmen beweisen das. Je frühzeitiger die Krise erkannt und akzeptiert wird, desto größer ist der Werkzeugkasten zur Lösung des Problems. Die Sanierung und Restrukturierung des Bauunternehmens unter dem Schutz des ESUG ist eine Option davon.